Poltergeister

Der Name ist Programm. Will man beschreiben, was ein Poltergeist ist, so muss man ihn nur beim Namen nennen. Ein Poltergeist ist ein Geist, der poltert. Im buchstäblichen, wie auch im übertragenen Sinn.

Der Poltergeist ist Ausdruck des sogenannten personenbezogenen Spuks. Dieser ist das genaue Gegenteil des 'ortsgebundenen Spuks'. Während der ortsgebundene Spuk sozusagen heimlich, still und leise stattfindet, ist der personengebundene Spuk laut und Aufmerksamkeit heischend. Ein 'POLTERgeist' eben.

Wie es der Name bereits sagt, ist der personengebundene Spuk an eine bestimmte Person gebunden, um die er kreist. Diese wird 'Fokusperson' genannt, denn auf sie konzentriert sich der Spuk eben, sie steht im Brennpunkt.

Es gibt einige typische Charakteristika, die einen Poltergeistfall ausmachen:

  • Wie schon erwähnt, ist das Phänomen personengebunden, d.h. es zieht gegebenenfalls mit der Person mit, wenn diese aus- bzw. umzieht.
  • Es spukt an beliebigen Orten und oft in bewohnten und belebten Räumen
  • Meist findet das Ganze tagsüber statt, wenn es hell ist
  • Der Poltergeist ist ein recht kurzfristiges Gespenst, das nur einige Wochen bis hin zu mehreren Monaten andauert
  • Es tauchen typische Poltergeistphänomene auf, wie:
  • Rumoren, lärmen, poltern, krachen, toben
  • Steinewerfen
  • Schläge gegen Türen und Wände (Raps)
  • Gegenstände werden verstellt
  • Gegenstände verschwinden plötzlich und tauchen nicht immer wieder auf
  • Gegenstände werden geworfen, beim Anfassen sind sie heiß
  • Zerbrechen von Fensterscheiben und Gegenständen
  • Objekte durchdringen Materie
  • Stimmen
  • Mimikry-Geräusche, die Menschen oder Tiere nachahmen
  • Totale Unordnung
  • Gerüche
  • Geworfene Gegenstände folgen den Konturen der Möbel
  • Gegenstände scheinen sich in der Luft zu bilden, fühlen sich warm an
  • Phänomen mit Wasser oder Feuer, Feuer ist eiskalt
  • Optische Erscheinungen, Erscheinungen von Geistern
  • Personen werden bombardiert, aber verfehlt
  • Türen und Schränke öffnen sich von selbst
  • Kommunikation durch Klopfen oder Reaktionen durch Spukphänomene
  • Der Ablauf der Phänomene ist wie ein Theaterstück in mehreren Szenen aufgebaut, mit Vorspuk und Nachspuk
  • Der ganze Spuk wirkt intensiv, lebendig und dynamisch und dabei kommunikativ, aber auch koboldartig und humoristisch
  • Es gibt keine Spuk-Vorgeschichte (Todesfall, Suizid in der Wohnung, etc.)
  • Es scheint Absicht und Zielgerichtetheit hinter den Phänomenen zu stecken

Obwohl das Gegenteil vom ortsgebundenen Spuk muss auch beim Poltergeist nichts befürchtet werden. Auch wenn die Geister absichtlich mit Gegenständen nach einer Person werfen, werfen sie immer haarscharf daneben. Wird behauptet, dass einer in einem Poltergeistfall verletzt oder getötet worden ist, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fall nicht echt sein kann.

 

Was hat es mit dem Poltergeist auf sich? Was steckt hinter diesem Gespenst?

 

Poltergeister scheint es schon sehr lange zu geben. Angeblich wurde bereits im 6. Jahrhundert in Italien von einigen Fällen berichtet, wobei nicht ganz sicher ist, ob es sich bei den berichteten Vorfällen wirklich um Poltergeister handelt.

Schriftliche Aufzeichnungen gibt es etwa seit dem 12. Jahrhundert und im Jahre 1599 wurde offenbar eine der ersten Forschungen zu Poltergeistern betrieben. Ein Mann namens Martin del Rio beschrieb 18 Arten von Dämonen, von denen die 16. Art Gespenster waren, die darauf spezialisiert waren, ein ungeheures Durcheinander zu schaffen.

Der Begriff 'Poltergeist' wurde von Martin Luther geprägt und von Catherine Crowe ins Englische übernommen.

 

Die Folklore kennt Poltergeister als eigenständige Wesen. Im Volksglauben entwickelten sich  Naturgeister, in diesem Fall die Kobolde, durch die Nähe zum Menschen in Geister, die in die Behausungen der Menschen einzogen und so zu Hausgeistern wurden. Meist waren die Hausgeister gute Geister, die in Haus und Hof mithalfen (z.B. die Heinzelmännchen, etc., sogenannte 'Gutele'). Einige entwickelten dann jedoch mehr Spaß daran, Schabernack zu treiben und die Bewohner zu necken und zu stören, bis aus den noch fast harmlosen Neck- und Klopfgeistern die beängstigenden und bösartigen Poltergeister wurden.

Eine andere Erklärung in der Folklore ist, dass es sich bei den Poltergeistern um Seelen Verstorbener handelt, die eines plötzlichen, und meist gewaltsamen Todes starben. Auch die Seelen totgeborener Kinder können zu Poltergeistern werden, sofern sie nicht als Irrlichter spuken.

 

In der Parapsychologie wird die Definition als eigenständige Entität, bzw. als Totengeist in der Regel abgelehnt. Viel eher werden Poltergeistphänomene für das Wirken der Geister lebender Menschen gehalten.

Das Phänomen Poltergeist wird seit den 1950er Jahren im Rahmen der parapsychologischen Forschung untersucht. Besonders der Forscher William G. Roll widmete sich den Poltergeistfällen.

Roll stellte fest, dass Poltergeistphänomene sehr häufig in Haushalten auftraten, in denen Kinder bzw. Jugendliche lebten, die inneren Ärger verbargen, der durch Stress innerhalb der Familie entstand und dass sie meist dann stattfanden, wenn eine bestimmte Person des Haushalts, meist die betroffenen Jugendlichen, anwesend waren.

Löste sich der Familienkonflikt, bzw. der Stress, und der innere Ärger konnte verarbeitet werden, endete meist kurze Zeit später auch der Spuk.

Roll kam daher zu dem Schluss, dass die Jugendlichen selbst die Auslöser der Poltergeistphänomene waren, die - Betrug in diesem Fall ausgeschlossen - unbewusst durch ihre Psyche die Gegenstände in ihrer Umgebung beeinflussten und bewegten. So konnten sie ihrem Ärger Ausdruck verleihen, ohne Bestrafung befürchten zu müssen und doch hatten sie nicht die geringste Ahnung davon, dass sie die Störungen auslösten.

Roll nannte diese unbewussten Aktivitäten "wiederkehrende spontane Psychokinese" (RSPK - recurrent spontaneous psychokinesis).

Inzwischen steht fest, dass die sogenannten 'Agenten', also die Personen, die die Psychokinese-Manifestationen verursachen, nicht nur Jugendliche bzw. Kinder sind, sondern auch Menschen im Erwachsenenalter sein können und dass es keine Altersgrenzen unter Poltergeistopfern zu geben scheint.

Die RSPK wird heute als die wahrscheinlichste Erklärung für Poltergeistfälle angesehen. Allerdings ist sie nicht völlig etabliert. Da der Prozess der Psychokinese, also WIE die Psyche materielle Gegenstände beeinflusst, nicht geklärt ist und es noch keine Aussichten auf eine Klärung gibt, wird die RSPK von der wissenschaftlichen Welt außerhalb der Parapsychologie kaum anerkannt.

Als weitere mögliche Erklärungsansätze werden auch geomagnetische Impulse und geologische Besonderheiten vermutet, da sich herausstellte, dass viele Orte, an denen Poltergeistphänomene auftreten, in geologischen Verwerfungszonen und Zonen mit witterungsreichen Böden liegen.

Auch in den Bauten selbst könnten Erklärungen für manches Phänomen stecken, wenn sich nach Regenfällen oder Frösten die Fundamente heben und senken und so für Risse innerhalb des Gebäudes, vermeintliche von selbst neigende Möbel und unerwartete Geräusche, wie Ächzen, Knirschen und Knallen sorgen.

Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich in manchen Fällen um simple Halluzinationen handelt, ausgelöst durch emotionale Störungen wie Stress, Hysterie oder Frustration.

Letztendlich darf auch Betrug nicht als Erklärung ausgeschlossen werden. Bei vielen Poltergeistopfern die unter bipolarer Störung litten, oder sonst psychisch labil waren, wurde festgestellt, dass sie die Poltergeistphänomene inszenierten oder erfanden, um Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erhalten.

 

Wie bei allen paranormalen Phänomenen, lässt sich die Erklärung nur bei genauer Untersuchung des jeweiligen Einzelfalles finden.

 

©Angelika Köllner

Quellen:
Annekatrin Puhle, Das Lexikon der Geister, München 2004, ISBN 3-86533-011-8

Werner F. Bonin, Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete, Bern und München, Sonderausgabe 1988, ISBN 3-572-04271-2

Walter von Lucadou, Dimension PSI – Fakten zur Parapsychologie, 2003, ISBN 3-471-78571-X

Theresa Cheung, The Element Encyclopedia of Ghosts and Hauntings, 2006, ISBN 978-0-00-729906-5

Paul Rohland, Geister, deutsche Erstausgabe 2008, ISBN 978-3-86070-025-1

Phänomene – die Welt des Unerklärlichen, Ausgabe 1994, ISBN 3-86070-025-1

Unerklärliche Phänomene, Ausgabe 1995, ISBN 9-86070-763-X

Wikipedia

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

GEGEN SPUKTOURISMUS!

 

Immer wieder erscheinen Zeitungsmeldungen über Personen, die beim unbefugten Betreten von Grundstücken oder Gebäuden von der Polizei aufgegriffen worden sind und angeben, durch PU-Videos und –Berichte (Paranormale Untersuchung) dazu animiert worden sind.

Außerdem machen Ghosthunter auch immer wieder die Feststellung, dass Orte, an denen auch gerne PUs durchgeführt werden, mehr und mehr vermüllt oder zerstört werden, sei es durch Vandalismus, Graffitis, etc.

 

Leute, das geht gar nicht!

 

Paranormale Untersuchungen sind keine Aufforderungen, die jeweiligen Plätze einfach so aufzusuchen und dort zu randalieren!
In den Berichten der Ghosthunter wird oft genug betont, dass sich das jeweilige Team um eine Genehmigung bemüht hat, diesen Ort zu untersuchen und sich mit Wissen und Erlaubnis des Eigentümers dort aufhält.

 

Es kann ja durchaus vorkommen, dass auch Ghosthunter unbefugt einen Ort betreten, weil der Eigentümer einfach nicht auszumachen war. Auch das ist nicht gutzuheißen.

Aber kein Ghosthunter-Team, das etwas auf sich hält, würde einen Ort mutwillig beschmieren, beschädigen oder zerstören. Es wird kein Müll zurückgelassen, nicht mal Zigarettenkippen.

Ghosthuntern geht es dabei um ihre PU und um die Phänomene, die sie dabei vielleicht erleben und dokumentieren können.

Sie behandeln den Ort mit Vorsicht und Respekt.

 

Wenn Ihr euch durch PU-Videos und –Berichte inspiriert fühlt und diese Plätze selbst mal besuchen wollt, dann nehmt einfach Kontakt zu dem jeweiligen Ghosthunter-Team auf. Fast jedes Team nimmt gerne auch mal Gäste mit auf PU. Sollte es aus irgendwelchen Gründen als PU-Gast nicht klappen, bekommt Ihr so sicher wenigstens Informationen, wo Ihr euch wegen einer Genehmigung hinwenden könnt.

 

Die Konsequenzen von Spuktourismus sind weitreichender, als Ihr denkt und treffen nicht nur die Randalierer, wenn sie von der Polizei erwischt werden. Je nachdem, wie alt sie sind, werden ihre Eltern benachrichtigt und müssen evtl. ein Bußgeld zahlen. Wenn nicht die Eltern, dann vielleicht sie selbst. Sicher wird’s von Zuhause auch ein schönes Donnerwetter geben.

Desweiteren wird der Eigentümer des Ortes sicher über das unbefugte Betreten informiert werden. DAS hat dann Konsequenzen für die Ghosthunter. Wenn das fragliche Team selbst ohne Genehmigung da war, droht ebenfalls eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bzw. unbefugtem Betreten. Evtl. ebenfalls eine Bußgeldzahlung.

UND – der/die Eigentümer haben vielleicht so die Nase voll von dem Theater, dass sie auch keine Genehmigung mehr zum Betreten des Grundstücks/Gebäudes erteilen, wenn die Nächsten anfragen.

Die Folgen: Es gibt immer weniger Orte, an denen Ghosthunter ihre PUs durchführen können, es wird immer schwerer, Genehmigungen zu erhalten, d.h. weniger Berichte und Videos und weniger Chancen, evtl. doch eindeutige Belege für Spuk, etc. zu finden.

Das Alles zerstört uns die Möglichkeit, unser Hobby, unsere Leidenschaft auszuüben!

Solche PUs an öffentlichen Orten, bzw. ohne Klienten sind nicht nur für unser Vergnügen und den Thrill. Es geht auch darum, Erfahrung zu sammeln, Übung zu bekommen, Fehler zu lösen und das Team zu stärken und zusammenzuschweißen. Außerdem sind es auch oft die Orte selbst und deren Geschichte, die uns daran faszinieren.

 

All das wird durch Spuktouristen kaputt gemacht.

 

Spuktourismus ist ignorant, dumm und egoistisch!

 

WIR BETONEN HIERMIT GANZ DEUTLICH, DASS WIR UNS VON SPUKTOURISMUS DISTANZIEREN UND UNSERE PU-BERICHTE AUF KEINEN FALL ALS AUFFORDERUNG ZUM SPUKTOURISMUS ZU VERSTEHEN SIND!

 

Wenn Ihr Euch für einen Ort näher interessiert, meldet Euch einfach bei uns. Wir helfen gerne.

 

Euer Team Ghost Hunter

Wir twittern auch! Folgt uns unter @T_Ghost_Hunter und bleibt immer auf dem Laufenden!